Du kennst diese Kinder. Die, die dich fordern. Jeden Tag. Sie sind laut und impulsiv. Und im nächsten Moment ziehen sie sich zurück, reagieren empfindlich auf Geräusche oder wirken völlig überfordert. Du gibst Struktur und merkst gleichzeitig: Genau diese Struktur bringt das Kind an seine Grenze.
Und vielleicht fragst du dich immer wieder: Was braucht dieses Kind eigentlich wirklich?
Die Antwort kann AuDHS sein. Das Zusammenspiel aus ADHS und Autismus. Und plötzlich ergibt vieles einen Sinn.
Was hinter AuDHS steckt und warum die Kinder so widersprüchlich wirken
Kinder mit ADHS haben oft einen starken Bewegungsdrang, sind impulsiv und reagieren schnell auf Reize. Kinder im Autismus Spektrum brauchen dagegen Klarheit, Wiederholungen und möglichst wenig Reizüberflutung.
Wenn beides zusammenkommt, entsteht ein innerer Konflikt. Das Kind braucht Struktur, um sich sicher zu fühlen. Aber gleichzeitig fällt es ihm schwer, genau diese Struktur auszuhalten.
Das Nervensystem ist ständig im Spannungsfeld:
- zu viele Reize von außen
- zu viele Impulse von innen
- zu wenig Möglichkeiten zur Regulation
Das Ergebnis zeigt sich im Alltag:
- Ein Kind, das gleichzeitig Halt sucht und ihn wieder wegstößt
- Ein Kind, das Nähe will und sie kaum aushält
- Ein Kind, das Regeln braucht und sie im nächsten Moment sprengt
Und genau hier beginnt dein Verstehen. Denn dieses Verhalten ist kein Trotz. Es ist ein Ausdruck von Überforderung.
Warum dein Blick den größten Unterschied macht
Vielleicht hast du schon erlebt, wie schnell solche Kinder bewertet werden. Zu wild, zu laut, zu schwierig. Doch wenn du beginnst, das Verhalten als Signal zu sehen, verändert sich etwas Grundlegendes.
Du gehst weg vom Reagieren hin zum Verstehen. Du erkennst: Dieses Kind kämpft. Mit sich. Mit seiner Umwelt. Mit Reizen, die es nicht einordnen kann. Und plötzlich entsteht Raum für etwas anderes: Geduld, Klarheit und Verbindung. Und genau das braucht es jetzt am meisten.
Drei typische Situationen aus deinem Kita Alltag und wie du sie liebevoll gestaltest
Lass uns gemeinsam auf drei konkrete Momente schauen, die dir wahrscheinlich sehr vertraut sind.
Situation 1: Der Morgenkreis wird zur inneren Explosion
Alle Kinder sitzen im Kreis. Du beginnst. Und dieses eine Kind kann nicht still bleiben. Es rutscht hin und her, ruft dazwischen oder steht auf. Vielleicht wirkt es sogar angespannt oder gereizt. Was hier passiert: Zu viele Reize treffen auf ein Nervensystem, das sich kaum regulieren kann. Gleichzeitig fehlt Bewegung.
Was du konkret tun kannst:
- gib dem Kind einen festen Platz am Rand
- erlaube kleine Bewegungen wie Kneten oder einen Ball in der Hand
- halte den Ablauf klar und vorhersehbar
- arbeite mit Bildern oder Symbolen
Sag zum Beispiel ruhig: Du darfst dich bewegen und bist trotzdem Teil unserer Runde. So entsteht Zugehörigkeit ohne Druck.
Situation 2: Übergänge bringen alles ins Wanken
Das Spiel endet. Es soll aufgeräumt werden. Für viele Kinder kein Problem. Für ein Kind mit AuDHS kann das ein riesiger innerer Stressmoment sein. Was dahinter steckt: Das Gehirn muss umschalten. Impulse müssen gestoppt werden. Und gleichzeitig kommt etwas Neues. Das ist enorm anstrengend.
Was du konkret tun kannst:
- kündige Übergänge frühzeitig an
- bleibe bei gleichen Abläufen
- nutze kleine Rituale
- begleite das Kind aktiv
Ein Beispiel: In fünf Minuten räumen wir auf. Ich bleibe bei dir und helfe dir. Diese Sicherheit verändert alles.
Situation 3: Gefühle kippen plötzlich
Gerade war noch alles ruhig. Und plötzlich kommt es zu einem Ausbruch. Laut. Heftig. Oder komplettem Rückzug.
Was dahinter steckt: Das Kind war innerlich schon lange über seiner Grenze. Der Ausbruch ist nur das sichtbare Ende.
Was du konkret tun kannst:
- erkenne erste Anzeichen von Überforderung
- reduziere Reize sofort
- biete einen ruhigen Rückzugsort
- bleibe ruhig und klar
Sag zum Beispiel: Ich sehe, dass es dir gerade zu viel ist. Komm, wir gehen kurz an einen ruhigen Ort.
Du hilfst dem Kind, wieder in die Regulation zu finden. Und das ist der wichtigste Schritt.
Drei konkrete Tipps für deinen Alltag mit AuDHS Kindern
Tipp 1: Schaffe sichere Rückzugsorte
Diese Kinder brauchen Pausen. Nicht erst, wenn es eskaliert.
Richte bewusst kleine ruhige Orte ein:
- mit wenig Licht
- mit wenig Geräuschen
- mit vertrauten Materialien
Dieser Ort ist kein Wegschicken. Er ist ein Ankommen.
Tipp 2: Gib Struktur aber in kleinen Einheiten
Zu viel Struktur auf einmal überfordert. Zu wenig Struktur verunsichert.
Die Lösung liegt dazwischen:
- kleine klare Schritte
- kurze Abläufe
- visuelle Unterstützung
So kann das Kind Struktur annehmen ohne daran zu zerbrechen.
Tipp 3: Baue echte Beziehung auf
Beziehung ist der Schlüssel. Bevor du etwas verlangst, verbinde dich.
Ein kurzer Moment reicht oft: Ein Blick, ein ruhiger Satz oder ein ehrliches "Ich sehe dich". Diese Verbindung schafft Vertrauen. Und Vertrauen schafft Regulation.
Du kannst so viel verändern und musst es nicht alleine tun
Vielleicht merkst du beim Lesen, wie viel in dir arbeitet. Vielleicht erkennst du genau dieses eine Kind vor dir. Und vielleicht spürst du auch: Ich will es besser verstehen. Ich will anders handeln. Ich will wirklich etwas verändern. Genau hier beginnt Entwicklung.
Aber du musst diesen Weg nicht alleine gehen. Wenn du lernen möchtest, wie du Kinder mit AuDHS sicher begleitest, ihre Bedürfnisse erkennst und deinen Kita Alltag entspannter gestaltest, dann schau dir unsere Fortbildung an:
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Stell dir vor, du gehst in deinen Alltag und fühlst dich klar. Ruhig. Handlungsfähig. Und das Kind vor dir fühlt sich endlich verstanden. Genau das ist möglich. Für dich. Für dein Team.
Und für die Kinder, die so sehr darauf warten, gesehen zu werden. 💛

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